Struktur, Sicherheit und Selbstbestimmung: Leben in der Spatzengruppe

Die Tage in der Spatzengruppe beginnen ruhig, fast rituell. Jede/r wird so geweckt, wie es ihr/ihm guttut. Beim gemeinsamen Frühstück kommen die Bewohnerinnen und Bewohner zusammen, bevor sich die Wege trennen: Einige brechen auf zu ihrer Arbeit in einer Werkstatt für angepasste Tätigkeiten, andere nutzen tagesstrukturierende Angebote. Dort entdecken sie, was in ihnen steckt – beim Kochen, Basteln, Nähen, in kleinen Gartenprojekten oder anderen kreativen, handwerklichen oder alltagspraktischen Aufgaben, die ihre Fertigkeiten fördern und Selbstwirksamkeit erfahrbar machen.

LEBENDIGE WOHNGEMEINSCHAFT

Am Nachmittag treffen alle wieder aufeinander, wie in einer lebendigen Wohngemeinschaft. Dann wird gekocht, eingekauft, erzählt, gespielt oder gelacht. Individuelle Stärken und Vorlieben prägen den Alltag – gemeinsam entsteht daraus ein tragfähiges Miteinander. Jede/r übernimmt Verantwortung: für das eigene Zimmer, das Kochen, Putzen oder Einkaufen; für Ausflüge und gemeinsame Unternehmungen. Das Leben in der Spatzengruppe bietet den Rahmen, sich zu entwickeln, Grenzen zu erkennen, Rücksicht zu nehmen und Entscheidungen zu treffen, so dass für alle individuelle Teilhabe erfahrbar wird.

Die Spatzengruppe ist ein verlässlicher Lebensmittelpunkt, von dem aus alle ihren eigenen Weg gehen können – in einer ausgeglichenen Balance aus notwendiger Unterstützung und gelebter Eigenständigkeit. Der Name verweist auf das, was das Zusammenleben prägt: einen Ort, an dem lebendige, soziale und neugierige junge Menschen in ihrem eigenen Tempo ankommen, bleiben oder weitergehen können.

DIE SPATZENGRUPPE: EIN ZUHAUSE FÜR JUNGE ERWACHSENE

Im Haus St. Josef finden Menschen mit geistigen und komplexen Beeinträchtigungen in verschiedenen Wohnformen ein geschütztes Zuhause. Auf dem Kerngelände leben insgesamt rund 200 Bewohnerinnen und Bewohner, verteilt auf 15 Wohngruppen. Die Schlösschengruppe begleitet derzeit sechs Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis siebzehn Jahren. Sind die jungen Menschen bereit für ihren nächsten Entwicklungsschritt, wechseln sie in die Spatzengruppe – ein Übergang, der stets sorgfältig vorbereitet und individuell gestaltet wird. In der Spatzengruppe leben aktuell acht junge Erwachsene zwischen 20 und 31 Jahren – fünf Männer und drei Frauen –, die mit sehr unterschiedlichen Beeinträchtigungen ihren Alltag gestalten und auf ihrem persönlichen Weg begleitet werden.

 

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